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Design Thinking in der islamischen Welt

Design Thinking in der islamischen Welt

Zusammen mit 18 Studierenden des Master-Studiengang Design und Medien nahmen 8 Produktdesign-Studierenden an einem Workshop Design Thinking in der islamischen Welt unter Leitung von Prof. Gunnar Spellmeyer teil. Er wurde dabei begleitet von Dörte Roloff, Nexster – dem Entrepreneurshipcenter der Hochschule Hannover – und Gudrun Heindorf, Lehrbeauftragte im Masterstudiengang und existenzanalytische Beraterin.

Die 29-köpfige Delegation traf am ISI Yogyakarta, dem Kooperationspartner der Hochschule Hannover auf der indonesischen Insel Java, auf 20 Studierende aus den Studiengängen Interior Design und Produktdesign, sowie 10 externen Design-Lehrenden weiterer indonesischer Kunsthochschulen.

Design Thinking Workshop in der islamischen Welt

Zusammen wurde die Methodik des Design Thinking und das kreative Denken geschult und anhand eines Praxisprojektes für die indonesische Möbelwirtschaft exemplarisch angewandt. Vor dem Hintergrund kultureller und sprachlicher Barrieren eine spannende Aufgabe für alle Beteiligten: Energizer, die aus religiösen Haltungen nicht durchgeführt werden konnten, Teamaufgaben, deren Bearbeitung unter starker Hierarchie litt oder auch die hohen Temperaturen in Einklang zur eigenen geistigen Fitness zu bringen– um nur einige, wenige Aspekte zu benennen.

Nach dem Kennenlernen und einem abendlichen, sehr freundlichen “Welcome-Dinner” in wunderschöner Bambusarchitektur, hatten es die folgenden Tage bereits in sich: es galt die Bedürfnisse und Aufgabenstellungen der Praxispartner zu verstehen, zu hinterfragen und in sogenannte ›Problemstatements‹ zu verfassen. Der Vortrag des Praxispartners karpenter offenbarte die wirtschaftlichen Erfolgsgeheimnisse des indonesischen Betriebes, die letztlich auf dem enormen Lohngefälle fußen und in Kombination mit gutem Design auch für viele Studierende den Unternehmenserfolg erklärten.

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Weitere Betriebsbesichtigungen komplettierten das Verständnis der Möbelfertigung in Indonesien, besonders in Erinnerung dürfte der Besuch eines sogenannten ›wood clusters‹ bleiben: sehr ursprüngliche Fertigungsbedingungen, spielende Kinder und gackernde Hühner zwischen Holzbearbeitungsmaschinen in weitestgehend offenen Hütten. Vor allem aber die Freundlichkeit der Menschen, die Neugier der Kinder und das Studium der Lebens- und Arbeitsbedingungen haben für Diskussionsstoff gesorgt.

Mit jedem weiteren Workshoptag gelang die Arbeit in den interkulturellen Teams besser und besser. Verbünde wurden geknüpft und nicht nur das Studium, auch das Leben und seine so unterschiedlichen Bedingungen in Indonesien und Deutschland wurden thematisiert.

Für die hannoverschen Studierenden war das ausgeprägt hierarchische Denken eine Herausforderung – insbesondere in den ›Ideation‹-Phasen.

out of the comfortzone

Der Workshop wurde am Wochenende durch kulturelle oder sportliche Aktivitäten unterbrochen. Mit einer ›Downhill-Tour‹ am Fuße des Vulkans Merapi wurde dabei manch einer auch außerhalb seiner eigenen Komfortzone angefragt. Am Ende des Tages zwar mit der ein oder anderen kleineren Blessur, dafür aber mit vielen unvergesslichen Eindrücken von der fruchtbaren Landschaft und den Landarbeitern in den Reisfeldern.

 

Dass ehemalige Studierende des ISI Yogyakarta es zu international anerkannten Künstlern geschafft haben, wurde beim Besuch der Ateliers des Künstlers Nasirun deutlich. Nicht nur seine Schaffensbreite und sein umfassendes Gesamtwerk, auch die Ateliers selber, der Garten, die Teiche, die Architektur … alles zusammen eine beeindruckende Komposition, die durch den nahbaren, warmherzigen Künstler vollendet wurde.

Die Präsentation der Workshop-Ergebnisse führte sämtliche Gedanken, Worte, Skizzen der vergangenen Tage zusammen. Und brachte auch ein Feedback des Praxispartners zu Tage, welches es in sich hatte. Die Anzahl der durchaus verwertbaren Ideen war zwar hoch, doch äußerte sich in der Stellungnahme zu den Ideen eine auf äußerste Effizienz und Wirtschaftlichkeit getrimmte Haltung, die den deutschen Studierenden, wie aus einer anderen Welt vorkam.

Wichtiger als die Workshopergebnisse selbst aber waren der Prozess und das gemeinsame Wirken mit den neuen Freunden aus einer fremden Kultur. So gaben auch die deutschen Studierenden an, eine Menge gelernt zu haben: nicht nur den Design Thinking Prozess, sondern auch die Fragen der interkulturellen Kommunikation, der Teamsteuerung, des Fokussierens auf das eigentliche Problem oder das kreative Denken konnten noch vertieft werden. Unmerklich haben die Studierenden dabei auch die Arbeit mit Unsicherheiten ertragen erlernt, haben sich auf zufällige Ereignisse einlassen müssen, mussten mit widrigen Bedingungen umgehen und spontan Lösungen finden. Das alles zusammen macht sie bereiter für eine verantwortliche Tätigkeit im erweiterten Gebiet des Produktdesign.

DAAD-Förderung geplant

Für die kommenden Jahre soll die Kooperation durch eine DAAD-Förderung realisiert werden. Dies würde bedeuten, dass jeweils im Mai ein Workshop in Yogyakarta sowie im Oktober ein Workshop  in Hannover stattfindet. Darüberhinaus sollen zwei Studierende die Möglichkeit erhalten, ein Semester in Indonesien zu studieren. Es gilt »Daumen drücken« für den Antragserfolg.